Breslau und seine Gegend
Mit 640.000 Einwohnern ist Wroclaw die viertgrößte Stadt
Polens und Verwaltungszentrum der Wojewodschaft Niederschlesien. Die Stadt
an der Oder ist ein wichtiges Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum. Im
Jahr 2000 feiert Wroclaw die Gründung des Bistums vor genau 1000 Jahren.
Sehenswürdigkeiten:
Bedeutendstes Baudenkmal ist das gotische Rathaus am Marktplatz,
Rynek. Es wurde im 13. Jahrhundert begonnen und bis zum 16. Jahrhundert
immer wieder um- und ausgebaut. Die Ostfassade schmückt eine astronomische
Uhr aus dem Jahr 1580. An der Südseite findet sich der Eingang zur
Piwnica Swidnicka, dem historischen Schweidnitzer Bierkeller.
Den alten Markt und den benachbarten Salzmarkt, Plac Solny, umgeben
schöne Bürgerhäuser, die im gotischen und barocken Stil wieder
aufgebaut wurden. Die Maria-Magdalena-Kirche am Markt stammt
aus dem 14. Jahrhundert, das wertvolle romanische Portal ist noch
200 Jahre älter.
Die Dominsel, Ostrow Tumski, gilt als der älteste Teil der
Stadt. Spuren einer ehemaligen Fürstenburg stammen aus dem 9. und
10. Jahrhundert. Heute finden sich dort mehrere sehenswerte Sakralbauten.
Der zweitürmige Johannesdom entstand zwischen dem 13. und
14. Jahrhundert, die St. Ägidienkirche und die Kirche
St. Martin reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Auf der benachbarten
Sandinsel, Wyspa Piaskowa, befindet sich die Kirche St. Maria
auf dem Sande. Sie entstand im 14. Jahrhundert und besitzt einige
wertvolle gotische Altare. Die kunstvoll ausgemalte Leopoldina-Aula
im Hauptgebäude der traditionsreichen Universität gilt als einer der
wertvollsten Barockräume Polens. Sie kann besichtigt werden.
Außerhalb des Zentrums, an der Straße Zygmunta Wroblewskiego entstand
1913 die von Max Berg entworfene Jahrhunderthalle mit der damals
größten freischwebenden Kuppel der Welt. Sie bietet Platz für 20 000
Menschen. Unweit davon befindet sich das 1929 im Bauhaus-Stil entworfene
Wohnviertel Sepolno.
Wroclaw verfügt über eines der bedeutendsten jüdischen Gotteshäuser in
Polen, die Synagoge "Zum Weißen Storch" , sowie einen großen
Jüdischen Friedhof.
Wer die letzte noch verbliebene
Synagoge in Wroclaw/Breslau besichtigen möchte, muss erst ein wenig
suchen: Sie liegt abseits der Straße in einem großen Innenhof. Und gerade
dieser Lage verdankt sie ihre heutige Existenz, denn in der so genannten
Reichskristallnacht blieb sie nur deshalb vor Zerstörungen verschont, weil
man befürchten musste, dass die Flammen auf die Nachbargebäude
überschlagen. Nach Jahre langem Leerstand in der Zeit des Kommunismus
wurden die schlimmsten Schäden beseitigt und die frühere Pracht lässt sich
zumindest wieder erahnen.
An die ehemals bedeutende Jüdische Gemeinde in Breslau erinnert heute
noch der Jüdische Friedhof im Süden der Stadt, auf dem bedeutende
Kaufmannsfamilien wie die Wertheims ruhen, aber auch der deutsche
Arbeiterführer Ferdinand Lassalle. Drei Synagogen und zahlreiche Geschäfte
wurden von den Nazis 1938 zerstört. Nur die von Carl Gotthold Langhans
1829 erbaute Synagoge "Zum Weißen Storch" überdauerte im Schutz ihrer
Nachbargebäude die Nazizeit. Der klassizistische Bau galt früher als
zweitgrößte und schönste Synagoge in Deutschland.
Bis 1968 konnte die stark dezimierte Jüdische Gemeinde von Wroclaw die
Synagoge in der ul. Wlodkowica 7/9 noch für ihre Gottesdienste nutzen.
Danach wurde sie auf offizielle Anordnung geschlossen. Der Bau wechselte
die Besitzer, wurde aber fast drei Jahrzehnte lang nicht mehr genutzt und
verfiel zusehends. Der Putz fiel ab, die Fenster und der Aufgang zur
Empore waren zerstört, Deckenbalken verfault, das Dach teilweise
eingestürzt.
Nach den politischen Veränderungen in Polen erhielt die Jüdische
Gemeinde ihren Besitz zurück, 1996 wurde mit ersten Sicherungsarbeiten an
der Synagoge begonnen. Zwei Jahre später fand zur Erinnerung an die
Pogromnacht von 9. November1938 ein Gottesdienst in der Synagoge statt.
Die Gäste, darunter auch zahlreiche Prominente, standen damals unter
freiem Himmel. Erst später wurde das Dach wieder geschlossen. Auch der
Fußboden und Teile der Innenwände wurden - zum Teil mit Geldern der
Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit - erneuert.
Noch heute umgibt ein großer Bauzaun das klassizistische Gebäude. Doch
für aufwändige Arbeiten wie die Renovierung der stark zerstörten
Außenfassade oder des Badehauses im Keller fehlt der Gemeinde das Geld.
Rund drei Millionen Dollar sind nach Angaben aus der Gemeinde für die
umfangreichen Arbeiten erforderlich. Doch immerhin: Es ist wieder Leben in
das Gebäude eingekehrt. Regelmäßig finden Musik- und Theateraufführungen
statt. Musik erklingt dort in den Wintermonaten jeden letzten Sonnabend im
Monat, in den Sommermonaten wöchentlich - jeweils kurz nach
Sonnenuntergang. Feste Besichtigungstermine gibt es nicht, aber im
benachbarten Büro der Jüdischen Gemeinde kann man recht unkompliziert
einen Termin vereinbaren. Im Inneren vermittelt eine kleine
Fotoausstellung einen Eindruck vom Zustand des Hauses vor Beginn der
Bauarbeiten.
Rings um die Synagoge hat sich wieder ein bescheidenes jüdisches Leben
entwickelt. Dort gibt es seit einigen Jahren auch wieder eine Jüdische
Schule. Der Gemeinde von Wroclaw und Umgebung gehören heute immerhin
wieder rund 300 Familien an, sehr viel mehr sogar als in Krakau, aber zu
wenige, um die mächtige Synagoge zu füllen. Die normalen Gottesdienste
finden deshalb in einer ehemaligen Talmud-Schule statt.
Die Synagoge "Zum Weißen Storch" befindet sich im Hof der ul.
Wlodkowica 7/9, inmitten des ehemaligen jüdischen Viertels der Stadt, nur
wenige Minuten Fußweg vom Marktplatz entfernt. Der Jüdische Friedhof mit
seinen mehr als 10.000 Grabsteinen liegt südlich des Stadtzentrums an der
ul. Slezna 113. Geöffnet ist er sonntags ab 12 Uhr.
Die Studentenstadt ist mit seinem großen Angebot an Klubs und Kneipen
auch für junge Gäste attraktiv.
Gourmets und Szenegänger haben es in Wroclaw leicht. Denn fast alle
interessanten Restaurants, Cafés, Bars und Klubs konzentrieren sich
in der restaurierten Altstadt. Rund um den Rynek, den alten Marktplatz,
treffen sich nicht nur die Touristen. Hier haben auch die Breslauer
ihre Lieblings-Lokale. Für Neuankömmlinge gibt es allerdings erst
einmal die Qual der Wahl, denn das Angebot ist kaum zu überblicken.
Der Tag beginnt mit einem guten Frühstück. Hierfür bieten sich neben
den vielen Hotels die Kaffeehäuser am Rynek an. Eine gute Adresse
ist zum Beispiel das "Pod Gryfami". Holzvertäfelungen, Kerzenlicht
und alte Stadtansichten an den Wänden sorgen für eine nostalgische
Atmosphäre. Eher mediterran wirkt hingegen der Innenhof. Mehr als
20 Sorten Kaffee werden ausgeschenkt, dazu gibt es belegte Brote
und weitere Frühstücksangebote.
In den Sommermonaten bilden Terrassencafés und -kneipen mit ihren
bunten Schirmen einen doppelten Ring um den Marktplatz: der innere
verläuft um das Rathaus und die ehemaligen Tuchhallen, der äußere
entlang der vier Seiten des Rynek mit seinen farbenfrohen Bürgerhäusern.
Wo man sich nieder lässt, um bei einem Bier oder Kaffee dem bunten
Treiben auf den Straßen zuzuschauen, das hängt eigentlich nur davon
ab, ob man lieber in der Sonne oder im Schatten sitzen möchte.
Schwieriger wird die Wahl, wenn sich der Magen meldet. Soll es polnisch,
italienisch, mexikanisch oder vielleicht orientalisch sein, mit
oder ohne Fleisch, preiswert oder exklusiv? Um es vorweg zu nehmen:
Es findet sich für jeden etwas. Hier all die Spezialitätenlokale
zu nennen, würde den Rahmen sprengen, verwiesen sei deshalb auf
den ausführlichen Führer "Tu i ówdzie", der jährlich aktualisiert
wird und in der örtlichen Touristeninformation zu erwerben ist.
Zwei Restaurants sollen dennoch hier erwähnt werden, denn beide
nehmen für sich in Anspruch, die beste Küche in Wroclaw - und weit
darüber hinaus - zu haben.
Da ist einmal das "Massimo" in der wunderschönen Passage "Unter
der blauen Sonne" am Rynek. Verzierte Holzdecken, warme Wandfarben,
gedämpftes Licht und Kerzenschein geben eine stimmungsvolle Atmosphäre.
Inhaber Marek Szczerba bietet seit gut einem Jahr "stilechte italienische
Küche" - und das bedeutet für ihn "frisch, schmackhaft und einfach".
Italienische Köche bereiten alle Gerichte `a la carte zu, wer daran
zweifelt, kann ihnen durch große Glasfenster von außen zuschauen.
Qualität hat ihren Preis, zumal italienischen Zutaten viel teurer
als in Deutschland sind, wie Marek Szczerba beklagt. So liegen die
meisten Hauptgerichte zwischen 10 und 20 Euro. Doch die Ausgabe
lohnt sich.
Ähnlich ist die Preislage beim Lokalrivalen. Das "Splendido" in
der traditionsreichen Einkaufsstraße ul. Âwidnicka vereint auf seiner
Karte das Mittelmeer von Spanien über Frankreich bis Griechenland.
Betritt man den Vorraum mit dem kleinen Springbrunnen, wähnt man
sich bereits in südlichen Gefilden. Das Restaurant ist mit viel
Holz auf rustikal getrimmt, Knoblauchzöpfe, Pfefferschoten und Schinken
verstärken den mediterranen Eindruck. Die Speisekarte reicht von
"Foie Gras aus Gänseleber mit Ahorn-Moosbeeren-Konfitüre" bis zu
"Lammrücken im Thymiankleid" oder "Dorade `a la Catalunya".
Ein drittes Lokal verdient Erwähnung. Zum einen, weil es schon Kultstatus
besitzt: Die Bar Wegetarianska "Vega" am Rathaus war vor zehn Jahren
das erste vegetarische Lokal in Polen. Zum anderen, weil es für
ein SB-Restaurant hervorragende Qualität bietet. Verwendet werden
nur Zutaten aus ökologischem Anbau. Die Auswahl ist groß, der Preis
von vier bis fünf Mark für Hauptgerichte unschlagbar günstig.
Ähnlich schwer ist die Entscheidung am Abend. Viele bleiben ganz
einfach in einer der Bierkneipen am Rynek sitzen, weshalb es dort
auch zu sehr später Stunde noch lebhaft zugeht. Wer lieber in origineller
Umgebung einen guten Tropfen Wein trinken möchte, der sucht die
Weinstube "Koniec Wieku" auf. Sie befindet sich - über drei Stockwerke
verteilt - in einem alten Festungsturm aus dem 13. Jahrhundert.
Auf der umfangreichen Karte überwiegen die Spanier, aber auch deutsche,
griechische, ungarische oder kalifornische Weine werden serviert.
Jazzfans pilgern zum Klub "Rura", einer Institution nicht nur für
Wroclaw: Seit 1979 treten dort bekannte polnische wie internationale
Künstler auf. Konzerte sind mehrmals die Woche. Studentisches Publikum
trifft sich abends gerne im Klub "Gumowa Róza", der von der Musikerin
Martyna Jakubowicz gegründet wurde. Eine Künstlergruppe hat die
Kellerräume eingerichtet, gelegentlich finden Live-Konzerte statt,
ansonsten läuft Jazz- oder Rockmusik vom Band. Eine ähnliche Szene
drängt sich abends im Klub Artystów "Na Jatkach". Im linken Raum
lässt es sich bei Kerzenlicht gemütlich plaudern, aus dem rechten
dröhnt Rock- und Housemusik. Wer sich nicht entscheiden mag, verweilt
ein wenig im breiten Flur und schaut sich die Neuankömmlinge an.
An
Wochenenden wird es auf dem kleinen Tanzboden des Artistenklubs eng. Wer
nicht schon hier in Partystimmung verfällt, zieht weiter zu einem der
größeren Schuppen. Vielleicht in den "axLevel Klub", einen sehr schönen
alten Gewölbekeller. Die Gäste dort sind eher jung, die Musik geht von Pop
bis Funk und Soul. Die Gay- und Lesbenszene versammelt sich im kleinen
Klub "Scena", der seit vier Jahren für seine Houseparties bekannt ist. Zu
den größten und bekanntesten Klubs gehört die "Radio Bar". Sie erstreckt
sich wie ein Labyrinth unter dem Rynek. Die Räume sind mit viel Metall und
allerlei Technik der 50er Jahre dekoriert, auf der großen Tanzfläche
treffen sich vorwiegend Partypeople zwischen 20 und 35 zum Disco-Mix. Wer
dort nicht fündig wird, muss die Hoffnung nicht aufgeben. Schließlich
brodelt es noch an vielen anderen Stellen unter dem mittelalterlichen
Pflaster der Stadt.
Anreise:
Bahnverbindungen: ab Frankfurt (Main) und Berlin
Direktflüge: ab Frankfurt (Main) und München zum Flughafen im Vorort
Strachowice
Entfernungen: nach Berlin 330 km, nach Warschau 344 km
Restaurants:
Massimo, Rynek 7
Splendido, ul Swidnicka 53
Bar Wegetarianski
"Vega", Rynek-Ratusz 27a
Cafés, Weinstuben:
Pod Gryfami, Rynek 2
Winiarnia "Koniec Wieku", ul. Krainskiego
14
Klubs, Diskotheken:
axLevel Klub, ul. Wita Stwosza 12
Klub "Gumowa Róza", ul. Witra Stwosza 32
Klub Artystów "Na Jatkach", ul. Stare Jatki 6
Radio Bar, Rynek 48
Jazz-Klub "Rura", ul. Lazienna 4
Klub "Scena", ul.
Kazimierza Wielki 43
Einen guten Überblick über Restaurants, Cafés, Klubs und Hotels in Wroclaw
und Umgebung bietet der Führer "tu i ówdzie". Er ist erhältlich
bei der örtlichen Touristeninformation in Wroclaw, Rynek 14, Tel.:
0 71/3441109, Fax: 3442962.
www.wroclaw.pl (Stadtinformationen auf
englisch))
Theater:
Teatr Polski, ul. Zapolskiej 3, Tel. 071/ 343 87 89
Teatr Kameralny, ul. Swidnicka 28, Tel. 071/ 344 62 01
Teatr Lalek (Puppentheater), Pl. Teatralny, Tel. 0 71/344 76 77
Teatr Pantomimy,
Al. Debowa 1, Tel. 071/ 367 52 80
Musik:
Panstwowa Filharmonia, ul. Pilsudskiego 19, Tel. 071/ 342 70 01
Panstwowa Opera, ul. Swidnicka 3, Tel. 071/ 343 86 41
Bravo Klub EB, ul. Wystawowa 1, Tel. 071/ 372 93 38
Pub Pod Zielonym Kogutem, Pl. Teatralny 8, Tel. 071/ 342 01 87
Radio Bar, Rynek 48, Tel. 071/ 372 50
13
Ausstellungen:
Muzeum Narodowe (Nationalmuseum), Pl. Powstancow Warszawy 5, Tel.
071/ 343 56 43
Panorama Raclawiczka, ul. Purkyniego 11, Tel. 071/ 344 23 44
Muzeum Historyczne, ul. Sukiennice 14, Tel. 071/ 344 14 34
Stary Cmentarz Zydowski (Alter Jüdische Friedhof), ul. Slezna, Tel.
071/ 367 82 36
Aula Leopoldina, Pl. Uniwersytecki 1, Tel. 071/ 340 22 45
Galerie BWA Awangarda, ul. Witta Stwosza 32, Tel. 071/ 344 10 56
Galerie Design, ul. Swidnicka 2, Tel. 071/ 344 84 85
Galerie Grafiki i Rysunku, ul. Wiezienna 1, Tel. 071/ 342 94 62
Galerie Pod Plantonem, Rynek 58, Tel. 071/ 344 40 01
Galerie Slowa i Obrazu, Pl.
Kosciuszki 10, Tel. 071/ 344 49 52
Touristeninformation:
Wroclaw/Breslau (50-101)
Rynek 14
Tel.: 071-3443111
Fax: 071-3442962
dolot@poczta.onet.pl
www.wroclaw.pl (englisch)